Stille Post

Stille Post

Stille Post


In meinen Seminaren versuch ich den theoretischen Stoff mit vielen Beispielen aus der Praxis und vielen Übungen zugänglicher zu gestallten. Die Beispiele aus der Praxis ergeben sich dabei aus meiner täglichen Arbeit in Projekten oder als Coach an der Seite von Projektleitern.  Die Übungen hingegen entwickeln sich in den Seminaren stetig weiter. Als ich neulich ein Seminar zum Thema Konfliktmanagement gehalten habe, hab ich wieder zur Demonstration der Problematiken in der Kommunikation das alt bekannte Spiel der stillen Post mit den Teilnehmern gespielt.
Dieses Spiel, dass sicher die meisten noch aus den Geburtstagspartys  ihrer Jugend kennen, hab ich inzwischen allerdings etwas für meine Nutzung angepasst und weiterentwickelt. Dazu bilde ich aus den Teilnehmern zwei oder mehr Gruppen.  Dann sollen sich zwei Personen durch einen Sichtschutz getrennt gegenüber setzen, der eine bekommt ein Bild vorgesetzt, welches er beschreiben darf, während der Andere versucht, die Beschreibung durch malen auf Papier wiederzugeben. Der Rest der Gruppe darf in der Zeit außer Hörweite Pause machen. Über diesen Teil, sind die Teilnehmer immer ganz froh, da sie meist eh viel Stoff der vorhergehenden Stunden zu verdauen haben.
Ist das Bild auf diese Weise dupliziert, darf der Teilnehmer, der das Bild beschrieben hat den Platz für das nächste Teammitglied frei räumen und der „Informationsempfänger“  wird nun wiederum zum „Informationsgeber“.  Das Prinzip ist das Gleiche, wie beim von „Ohr zu Ohr Geflüster“ – Stück für Stück, ändern sich Inhalte, gehen Informationen verloren und kommen falsche Informationen hinzu.
Seit einiger Zeit lass ich die Gruppen unter unterschiedliche Bedingungen arbeiten. Bei den Einen darf der „Informationsempfänger“  nachfragen, bei den Anderen darf nur der „Informationsgeber“ reden. Bei diesem Seminar ist aber etwas Seltsames passiert, wie folgende Bilder zeigen. Zunächst die Gruppe, die nachfragen durfte:

Ergebnis der ersten Gruppe

 

Informationen gingen nur geringfügig verloren. Der orangene Kreis sitzt nicht mehr ganz richtig, das Dreieck besitzt keinen Unterstrich mehr…Aber alles in allem ein zufriedenstellendes Ergebnis. Typischerweise braucht diese Gruppe immer doppelt so lange, was zeigt dass ein arbeiten mit Bestätigungen, nachfragen, etc.  einfach Aufwand bedeutet. Oder, um es mit den Augen des Qualitätsmanagement zu sehen: präventive Maßnahmen kosten, Maßnahmen zur Nachbesserung kosten mehr!

Nun das Ergebnis der anderen Gruppe:

Ergebnis der zweiten Gruppe

 

Das Ergebnis ist nur minimal schlechter, und dass obwohl die Gruppe wesentlich schneller liefern konnte. An dieser Stelle kann man sicher viele falsche Schlüsse ziehen, ganz nach dem Motto von schlechten schlagzeilenhaschenden Zeitungen: „amerikanische Wissenschaftler haben bewiesen…“
Trotzdem interessant, wie Dinge solange verschlechtert werden können, bis sie wieder stimmen.
In diesem Sinne wünsche ich allen Projektmanagern dasselbe Glück, wenn mal wieder ein Projekt aus dem Ruder läuft.

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