Wie schütze ich mich als Unternehmer vor Identitätsdiebstahl in sozialen Medien?

Wie schütze ich mich als Unternehmer vor Identitätsdiebstahl in sozialen Medien?

Identitätsdiebstahl im Internet ist schon länger ein Thema. Doch zumeist dann, wenn Privatpersonen davon betroffen sind und mit deren Identitäten auf Rechnung der Opfer eingekauft wird oder anderen kriminelle Handlungen vorgenommen werden.

Doch Identitätsdiebstahl kann auch Unternehmen treffen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Unternehmer und haben sich entschieden, im Social Web aktiv zu werden. Sie versuchen, eine Seite für Ihr Unternehmen in einem sozialen Netzwerk anzulegen und stellen dann fest, dass es bereits eine Seite mit Ihrem Unternehmensnamen gibt. Und vielleicht sogar, dass diese Seite im schlimmsten Fall Inhalte verbreitet, die Ihrer eigenen Firmenphilosophie zuwiderlaufen, zumindest aber nicht den professionellen Eindruck vermittelt, den Sie sich für Ihr Unternehmen vorstellen.

So passiert ist es der Drogeriekette Müller.

Müller hat erst am 16. Juni 2011 einen eigenen Facebookauftritt angelegt und war damit gemessen an der Entwicklung der sozialen Medien und der Größe und Zielgruppe des Unternehmens recht spät dran.

Dies ist die offizielle, professionell geführte Facebookseite von Müller Drogerie:

Social-Media-Identitätsklau, Identitätsdiebstahl Müller

Die Seite hat über 40.000 Fans, die sich rege an Diskussionen beteiligen, bietet interessante Inhalte und das Social Media Team reagiert schnell, sympathisch und kompetent auf Anfragen von Kunden.

Auf Facebook lässt sich aber auch diese Seite finden:

Social-Media-Identitätsdiebstahl

Diese Seite besteht seit dem 15. Januar 2010 und findet mit 2.700 Fans ebenfall recht große Beachtung in der Community. Allerdings ist sie nicht professionell geführt, wird kaum mit Updates versorgt, Fragen von Kunden bleiben unbeantwortet.

Diese Seite, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Müller Drogerie betrieben wird, schadet dem Unternehmen gleich in mehrfacher Hinsicht:

Kunden, die irrtümlicherweise diese Seite für die offizielle Seite halten und ihre Fragen dort posten, ärgern sich, weil sie keine Reaktion erhalten und bekommen ein schlechtes Bild vom Müller Service

Die 2.700 Fans, die sich mit dieser Seite verbunden haben, vermutlich überwiegend in dem Glauben, die offizielle Müller Seite vor sich zu haben, entgehen der offiziellen Müller Kommunikation. Das heißt, dass diese potentiellen Kunden nicht durch die Kommunikation über Sonderangebote und Aktionen zum Kauf animiert werden können, wie sie es werden könnten, hätten sie nicht die falsche Müller Seite abonniert

Auch Nichtkunden, die zufällig auf die Seite stoßen, bekommen ein schlechtes Bild von Müller, da die Seite unprofessionell geführt ist.

Die ersten beiden Punkte sind sehr ärgerlich für das Unternehmen, da hierdurch möglicherweise tatsächlich Umsatzverluste entstehen können, aber auch der dritte Punkt wiegt schwer. Ich bin beispielsweise auf den Identitätsdiebstahl aufmerksam geworden, da die gefälschte Seite in einem Blog als Beispiel für schlecht gemachtes Social Media Marketing herangezogen wurde. Die Fälschung ist dem Autor des Artikels offenbar gar nicht aufgefallen. Leider ist der Blog nicht mehr auffindbar und ich kann ihn an dieser Stelle nicht verlinken.

Hätte sich Müller Drogerie früher mit dem Thema Facebook auseinandergesetzt und seinen Kunden rechtzeitig eine offizielle Seite angeboten, wäre es vielleicht gar nicht zu der gefälschten Seite gekommen. Häufig werden inoffizielle Unternehmensseiten nicht aus böser Absicht heraus eröffnet, sondern von Unterstützern des Unternehmens, die einfach eine offizielle Seite vermissen. Später erwächst dann aber der Ehrgeiz, erfolgreicher auf der Plattform zu sein als das Unternehmen selbst.

Leider gibt es kaum Möglichkeiten für Unternehmer, wirksam gegen solche Profile vorzugehen. Anbieter wie Facebook geben Nutzerdaten nur sehr widerwillig heraus, berufen sich auf die Rechtslage in ihrem jeweiligen Heimatland und sind auch für Anwälte nur sehr schwer zu kontaktieren.

Gerade wenn man als Jungunternehmer nicht genug Geld und Zeit hat, um einem solchen Tun den Riegel vorzuschieben, gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit, sich vor Identitätsdiebstahl in sozialen Medien zu schützen: Proaktiv und wachsam sein.

Setzen Sie sich frühzeitig mit dem Thema Social Media auseinander. Reservieren Sie auf allen Plattformen, die kurz- oder mittelfristig für Sie in Frage kommen, Ihren Unternehmensnamen als Nutzernamen.

Monitoren Sie regelmäßig Ihren Unternehmensnamen mit speziellen Social Media Suchmaschinen wie socialmention.com.

Durchsuchen Sie auch das „herkömmliche“ Web zu Ihrem Unternehmen. Abonnieren Sie Ihren Unternehmensnamen und Ihre wichtigsten Produkte bei Google Alerts, so werden Sie immer über neue Inhalte im Internet per Email informiert.

Verhindern können Sie Identitätsdiebstahl dadurch vielleicht nicht, aber Sie werden frühzeitig auf gefälschte Seiten aufmerksam und können angemessen reagieren, etwa indem Sie Kontakt zu den Autoren suchen und die Sache gütlich regeln oder aber im Fall, dass dies nicht möglich ist, eine angemessene Gegendarstellung auf Ihren eigenen Kanälen veröffentlichen.

Auf jeden Fall gilt: Das Social Web findet auch ohne Ihre aktive Teilnahme statt, informiert sein kann Ihre Reputation im Netz schützen.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Julia Schultz

 

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