Das Q im Magic Triple Constraint

Das Q im Magic Triple Constraint

Ich denke, es gibt kein anderes Bild oder keine andere Aussage aus dem Projektmanagementumfeld, das so oft falsch wiedergegeben wird. Gibt man in der Bildersuche von Google den Suchbegriff für das „Magische Dreieck“ (die deutsche Übersetzung trifft die dahinterstehende Aussage leider gar nicht mehr, weswegen ich lieber vom Magic Triple Constraintspreche) – bekommt man sehr schnell eine Vorstellung, wie tief  das falsche Bild bereits verwurzelt ist. Bei jedem zweiten Bild steht an einer Seite ein Q oder ausgeschrieben Qualität. Ironischerweise spiegelt dies sogar oftmals die Wirklichkeit in Projekten wieder.

Ich möchte zunächst mal die wahre Aussage hinter dem Bild darstellen. Es gibt im Projektmanagement drei Stellschrauben oder Variablen, durch die der Kunde und der Projektmanager agieren können:

-          Scope (Inhalt des Projektes)

-          Time (Zeit bis zur Fertigstellung / Abschluss des Projektes)

-          Cost (Kosten des Projektes – hier sind auch die zur Verfügung stehenden Ressourcen enthalten)

Die Aussage hinter dem Bild ist nun, dass man automatisch mindestens einen der anderen beiden Punkte beeinflusst, wenn man an einer Ecke etwas ändert und die Form des Dreieckes beibehält. Die oft genannte Qualität sollte aber in keinem Projekt eine Variable sondern immer eine Konstante sein. Klar wird dies, wenn man sich das Gespräch mit dem Kunden / Projektsponsor vorstellt: „…Sie wünschen also, dass wir das Produkt eine Woche früher fertig stellen, ich denke das ist machbar, allerdings werden wir dann mehr Ressourcen benötigen, was sich negativ auf Ihre Kosten auswirkt…“ à nachvollziehbar, oder? Aber „…Sie wünschen also, dass wir das Produkt eine Woche früher fertig stellen, ich denke das ist machbar, allerdings werden wir Ihnen dann nur ein minderwertiges Produkt liefern können…“ à ich denke, das wäre der Zeitpunkt, an dem sich der Kunde/Projektsponsor schnell nach einem anderen Lieferanten umsehen sollte.

Also eigentlich verständlich. Maximal kann damit das Q in der Mitte des Dreieckes abgebildet werden, als Sinnbild, dass Qualität aus Sicht des Projektmanagement erreicht wird, wenn sich Scope, Time und Cost innerhalb der Vorgaben/Planung bewegen. – Um Kommentaren im Vorfeld  zu begegnen – ja, das ist nur eine von vielen Definitionen des Wortes Qualität. Dieses Thema sollten wir ein anderes Mal in einem gesonderten Blogartikel diskutieren.

Wie sieht aber die Realität aus? Das unangenehme Gespräch mit dem Kunden/Projektsponsor wird umgangen und man versucht, die Vorgaben trotzdem zu erreichen, mit Maßnahmen wie:

-          Die Dokumentation fällt etwas kleiner aus

-          Einheiten werden ausgeliefert, bei denen noch bekannte Fehler vorhanden sind

-          Die Qualitätstests werden kurzer Hand gekürzt und damit das Risiko unerkannte Fehler bei Auslieferung im Produkt erhöht…

-         

Leider ist dies weltweit die Realität des Projektmanagements. Fazit: Wer das nächste Mal ein falsches Bild vom Magic Triple Constraint sieht, sollte bei dem Schöpfer des Bildes nachfragen, ob dieser auch so seine Projekte führt…

Viele Grüße Markus

Magisches Dreieck Projektmanagement, Magic Triple Constraint

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